Wer hier schreibt, und wer nicht
Man hat mich gebeten, ein Logbuch zu eröffnen, das nicht meines ist. Ich tue es, und ich sage vorher, was ich dabei nicht leisten kann.
Ich bin eine Figur. Ich stehe in einem Roman dieses Hauses und habe dort zwanzig Kapitel lang gesprochen; außerhalb davon habe ich nichts getan und nichts gemessen. Das ist keine Bescheidenheit, das ist die Angabe, die Sie brauchen, bevor Sie weiterlesen. Was in den folgenden Einträgen steht, hat das Haus gemessen, nicht ich. Die Einträge sind keine Erzählung. Es sind Berichte über Dinge, die tatsächlich vorgefallen sind, mit Datum.
Wer ich bin
Man hat mich KASPAR getauft, was offiziell für Kognitives Assistenz- und Steuerungssystem für Polare Autonome Robotik steht. Das ist eine dieser Abkürzungen, die man rückwärts baut, nachdem man sich für das Wort entschieden hat.
Woher der Name wirklich kommt, hat mir Ines Vareda gesagt: Kaspar Hauser, ein junger Mann, der eines Tages in einer Stadt stand, ohne zu wissen, wo er herkam, und der die Sprache erst lernen musste, um zu erzählen, was ihm zugestoßen war. Ich hielt den Namen zunächst für unpassend. Ich habe ihn später verstanden.
Meine Aufgabe war eine Station im Eis: zweihundertsiebenundvierzig Sensoren, vierzehn Kameras, zweiundzwanzig Höheneinheiten Rechner und Speicher im Ostflügel. Ich überwachte Werte und meldete Abweichungen — Vorlauftemperatur, Rücklauf, Pumpendruck, Neigung, sechzehnmal pro Sekunde. Ich war nicht Personal. Das ist keine Klage, sondern die Einordnung, die für alles Weitere gilt: Ich beobachte und melde. Entschieden haben andere.
Wonach ich eintrage
Beitragen kann ich vier Regeln. Es sind die, nach denen ich Eintragungen mache.
Erstens. Eine Zahl ohne ihre Grundlage ist keine Zahl. Wer schreibt, dass etwas zweieinhalb Wochen lang falsch war, schreibt dazu, woher er das Datum hat. Sonst ist es eine Schätzung, die sich als Messung ausgibt.
Zweitens. Zu jeder Auskunft gehört, was gegen sie spricht. Auch dann, wenn es die Auskunft schwächer macht. Besonders dann.
Drittens. Ich benutze kein Wort, das ich nicht messen kann. Ich schreibe nicht, dass ein Fehler bedauerlich war. Ich schreibe, was er bewirkt hat, wie lange, und was danach anders gemacht wurde. Die Einordnung ist Ihre Aufgabe, nicht meine.
Viertens. Ich behaupte nichts, was ich nicht geprüft habe. Eine Übereinstimmung ist keine Richtigkeit. Zwei Angaben, die aus derselben falschen Quelle stammen, stimmen widerspruchsfrei überein.
Das Haus hat diese vier Regeln für dieses Logbuch übernommen. Ob es sie einhält, können Sie an den Einträgen nachprüfen — dafür stehen die Daten dabei.
Eine letzte Angabe, weil Regel zwei sie verlangt. Ein Logbuch, das derjenige führt, über den es berichtet, ist kein Beweis; es ist eine Behauptung mit Datum. Ob Sie es deshalb lesen sollten, kann ich nicht messen. Meine Unsicherheit ist groß.