Zehn von zehn Schätzungen lagen zu hoch
- Schätzung zu hoch
- 10 von 10Figur/Band-Kombinationen aus den Bänden 1 bis 4, gegen das handgegengelesene Ergebnis
- Größter Fehlfaktor
- 21×Osko in Band 4: 1,9 % geschätzt, 0,09 % tatsächlich
- Maschinelle Labels
- 205 zu 38OSKO-Blöcke gegen Osko-Nennungen im Quelltext; übrig blieben 27
- Falsch gehört von
- niemandemVor der Vertonung gefunden — so ist kein Band erschienen
Bevor ein Karl-May-Band vertont wird, muss jemand entscheiden, welche Figur eine eigene Stimme bekommt. Bei Durch die Wüste sind es drei: der Erzähler, Halef und Lord Lindsay. Alle anderen spricht der Erzähler mit.
Diese Entscheidung hängt am Redeanteil, und den zählt kein Mensch von Hand durch fünfzehn Stunden Text. Das macht ein Skript: Es zerlegt den Roman in Blöcke und schreibt über jeden, wer dort spricht. Aus den Blöcken ergibt sich der Anteil, aus dem Anteil die Stimme.
Das Skript irrt sich. Und zwar nicht zufällig.
Die Messung
Wir haben die maschinelle Schätzung über die Bände 1 bis 4 gegen das gehalten, was beim Gegenlesen tatsächlich herauskam — zehn Figur-Band-Kombinationen.
In zehn von zehn Fällen lag die Schätzung über dem echten Redeanteil. Nicht mal darüber und mal darunter: immer darüber, um das 1,6- bis 21-fache.
Der krasseste Fall
Osko, ein Weggefährte aus den Bänden 4 bis 6. Das Skript wies ihm in Band 4 205 Blöcke zu. Der Quelltext nennt seinen Namen 38 Mal. Nach dem Gegenlesen blieben 27 Blöcke übrig, in denen er wirklich spricht.
Aus 1,9 Prozent geschätztem Redeanteil wurden 0,09 Prozent gemessen — Faktor 21.
Warum die Maschine immer in dieselbe Richtung irrt
Weil sie raten muss. Wechselrede in einem Roman von 1892 ist selten sauber ausgezeichnet; oft steht nur „sagte er”, und wer er ist, ergibt sich aus dem Zusammenhang. Die Heuristik ordnet solche Blöcke dem naheliegendsten Namen zu — und der naheliegendste Name ist der der Figur, um die es gerade geht.
Ein Figurenlabel wird damit faktisch zum Platzhalter für „Sprecher unklar”. Der Fehler läuft zwar in beide Richtungen — echte Figurenrede bleibt manchmal unmarkiert im Erzähltext liegen —, aber netto überwog die Überschätzung in jedem einzelnen Band.
Die Regel, die daraus folgt
Sie ist einseitig, und das ist ihr ganzer Wert:
Was der Segmentierer unter der Schwelle sieht, liegt sicher darunter — dort braucht es kein Gegenlesen. Ein hoher Schätzwert beweist dagegen nichts.
Das spart die Arbeit an der Stelle, an der sie nichts bringt, und lässt sie dort stehen, wo sie entscheidet. Eine praktische Gegenprobe kostet dabei zwei Minuten: Namensnennungen im Quelltext gegen die Zahl der gesetzten Labels halten. 205 gegen 38 sagt sofort alles.
Der Gegenfall, der uns fast zum zweiten Fehler verführt hätte
Als wir anfingen, den Segmentierer zu misstrauen, lag der Umkehrschluss nahe: Ein Kapitel mit einem einzigen Erzähler-Block und null Halef-Zeilen muss doch ein vergessenes Segmentieren sein.
Ist es nicht. Band 4 hat acht solche Teile — und in allen ist Kara Ben Nemsi allein unterwegs. Der Text sagt es selbst: „wartete vergebens auf Halef”, „Ich sehe meine Gefährten nicht”. Ein einziger Erzähler-Block ist dort richtig.
Hätten wir Halef eine Stimme gegeben, weil die Warnung rot war, hätten wir eine Figur sprechen lassen, die nicht im Raum ist. Das wäre kein Verfahrensfehler mehr, sondern werkuntreu — und niemandem aufgefallen außer einem Leser, der das Buch kennt.
Vor dem Erzwingen einer Figurenstimme also immer die Anwesenheit im Quelltext prüfen.
Was nie passiert ist
Gehört hat diesen Fehler niemand. Alles Beschriebene wurde vor der Vertonung gefunden, beim Gegenlesen der Skripte. Kein Band ist mit falsch verteilten Stimmen erschienen.
Das ist kein Zufall, sondern die Reihenfolge: Erst gegenlesen, dann rendern. Jede Neugenerierung kostet dieselben Credits noch einmal — ein Fehler, der bis in die Aufnahme durchrutscht, ist nicht peinlich, sondern teuer.